Vernunftwende NRW: Ein Appell an die Vernunft

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An die Ministerpräsidentin
des Landes NRW
Hannelore Kraft
Stadttor 1
40190 Düsseldorf                                               Winterberg, 23. Mai 2016

Ein Appell an die Vernunft

Sehr geehrte Frau Ministerpräsidentin Hannelore Kraft,

am 31.05.2016 wird das am 12.05.2016 begonnene Bund-Länder-Gespräch zur Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes fortgesetzt. Insbesondere soll es um Ausbauziele für die Windkraft an Land gehen.

Deshalb schreibe ich Ihnen heute im Auftrag der Vernunftwende NRW. Die VernunftWende ist ein Bündnis von über 60 Bürgerinitiativen NordrheinWestfalens. Hinter uns stehen zehntausende Bürger. Diese Menschen setzen sich für eine vernünftige, entschleunigte Energiewende ein. Wir kämpfen um den Erhalt von Natur, Umwelt und Lebensqualität. Besonders beim ungezügelten Ausbau der Windenergie. Für den Windkraftausbau gibt es kein einziges schlüssiges Sachargument, sondern ausschließlich politischen und ideologischen Willen.

Bitte helfen Sie den Bürgern in NRW, nicht der Windkraftlobby!

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Lage urteilte:
„Der alles dominierende rasante Ausbau der erneuerbaren Stromerzeugungskapazitäten ist maßgeblich für die Probleme der Umsetzung der Energiewende. Die Kosten für diese klimapolitisch wirkungslose Förderung belasten die Stromverbraucher als reine Zusatzkosten. Hier wird zu Lasten des Gemeinwohls das Motto „je mehr und je schneller, desto besser“ verfolgt.“

Die Wirtschaftsweisen behielten Recht: Der Zubau an Windkraft- und Solarkapazitäten verursacht die inzwischen allfällig bekannten technischen und wirtschaftlichen Verwerfungen. Kernproblem ist die Fortsetzung einer sinnlosen Planwirtschaft und Fortsetzung von milliardenschweren Subventionen namens EEG.
Das EEG löst kein Problem, sondern ist das Problem und gehört nicht „reformiert“, sondern ersatzlos gestrichen. Es gibt keine ökonomische oder ökologische Rechtfertigung für eine gesonderte Förderung von „Erneuerbare Energien Anlagen“. Diese Förderung bringt uns den Zielen Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit nicht näher.

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Die mit Windrädern unvermeidlich einhergehenden Beeinträchtigungen, wie eine massive Landschaftszerstörung, Gefährdung von Fauna und Flora, Schall- und Lichtemissionen, Infraschall, Schlagschatten, Verfall der Immobilienpreise, Gefährdung der wirtschaftlichen Basis ganzer Regionen (Tourismusgebiete usw.) stehen in keinem Verhältnis zum scheinbaren „Erfolg“.

Selbst vor dem höchsten Berg in NRW, dem 843 hohen Langenberg, schreckt die Windkraftlobby nicht zurück. Laut Regionalplanung der Bezirks-regierung Arnsberg sollen nach dem Willen der Windkraftlobby auch dort 200m hohe Windindustrieanlagenerrichtet werden. Das als Land der tausend Berge bekannte Sauerland soll zum Land der tausend Windräder werden.

Auch Sie, Frau Ministerpräsidentin, unterstützen leider die sogenannte Energiewende. Für eine milliardenschwere Windkraftlobby, gegen die eigenen Bürger. Warum eigentlich?

Ihnen ist sicher bekannt: kein Wind, kein Strom. Windkraft fällt naturbedingt nur zeitweise an. Im Schnitt liefert eine Windkraftanlage gerade einmal 18% ihrer Nennleistung. Windkraft ist weder versorgungssicher noch grundlastfähig. Im Hintergrund müssen zusätzlich immer verlässliche und konstante Energieerzeuger (= konventionelle Kraftwerke) bereitgehalten und betrieben werden, um die Stromversorgung zu gewährleisten. Wir stehen also in Wirklichkeit überhaupt nicht vor der Alternative „Windstrom“ oder „konventionelle Energien“.

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Die Grafik bringt es an den Tag: Windenergie ist nicht versorgungssicher. Windenergie kann nicht gespeichert werden. Zur Absicherung einer sicheren Stromversorgung bleiben weiterhin konventionelle Kraftwerke erforderlich. Tatsächliche Leistung: nur 18% der installierten Leistung.

Bei Windkraft braucht man immer zwei parallele Energieerzeugungssysteme, die jeweils zu immensen Kosten in Teillast betrieben werden.

Ihnen ist sicher bekannt, dass das für die Stromerzeugung in Deutschland ausgestoßene CO2 an den weltweiten Emissionen einen Anteil von lediglich ca. 0,9% hat. Das durch Windkraft in Deutschland eingesparte CO2 kann durch den EUZertifikatehandel an anderer Stelle in Europa zusätzlich erzeugt werden.

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Das bedeutet, dass unter dem Strich durch Windkraft auf europäischer Ebene nicht ein einziges Gramm CO2 eingespart wird. Im Gegenteil: der unwirtschaftliche Back-up-Betrieb der konventionellen Kraftwerke zum Ausgleich des Zufalls-Energielieferanten Windkraft erhöht den CO2-Ausstoß zusätzlich. Selbst wenn Deutschland seine irrationalen Klimaziele vollständig umsetzt, verzögert sich die bis zum Jahr 2100 prognostizierte Erderwärmung um 2° Celsius um ganze 16 Tage! Die Effekte von Windkraft in Deutschland auf CO2-Entwicklung und Weltklima tendieren bestenfalls gegen Null!

Ihnen ist sicher bekannt, dass fast nirgendwo auf der Welt die Strompreise so hoch sind wie in Deutschland. Ursache hierfür ist unter anderem das EEG, das den Ausbau der erneuerbaren Energien hochgradig subventioniert. Bisher wurden hierfür seit 2002 über 200 Milliarden € ausgegeben.

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In 2014 lag der Subentionszuschuss bei ca. 24 Milliarden €, dem ein tatsächlicher Marktwert des erzeugten Stroms von ca. 3 Milliarden € gegenüber stand. Bezahlen muss das alles der private und gewerbliche Verbraucher.

In 2014 machte diese Zwangsumlage bereits ca. 22% unseres Strompreises aus. Tendenz weiter steigend, Ende nicht absehbar. Die Folge: massiver Kaufkraftverlust für den Privatverbraucher und nicht mehr wettbewerbsfähige Energiekosten für energieintensive Unternehmen. Im Ergebnis führen die durch Subventionsverschleuderung künstlich hochgepuschten Strompreise zur Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland.

Ihnen ist sicher bekannt, dass die bisherigen Aktivitäten zur Umsetzung der Energiewende ohne jede Koordination erfolgen und außer einer Stromkostenexplosion, die langfristig nicht mehr finanzierbar ist, keinerlei Effekte haben. Die hochgradige Subventionierung der Zufallsenergie Windkraft blockiert aber sinnvolle Baustellen, wie z.B. die Reduzierung des Energiebedarfs oder die Entwicklung zukunftsträchtiger Technologien, die versorgungssicher, umweltschonend und auch bezahlbar sind. Auf diesen Feldern könnte der Energie- und Emissionszwerg Deutschland einen echten Beitrag für Weltklima und Umweltschutz leisten. Aktuell geben wir jährlich ca.100 Mal mehr für Subventionen als für Forschung auf den o.a. Gebieten aus.

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Ihnen ist sicher bekannt: Windkraft hat erhebliche Nebenwirkungen. Gesundheitlich können für Anwohner durch unzureichenden Abstand von WKAs Dauerbelästigungen durch Schlagschatten, Geräusch- und Lichtemissionen, Infraschall, optische Bedrängung usw. auftreten. Hierdurch verfallen die Preise für betroffene Immobilien um ca. 30% oder mehr. Daneben gibt es gravierende Auswirkungen auf den Natur- und Artenschutz.

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Am schlimmsten aber: die Zerstörung des Landschaftsbildes durch bis zu 200 m hohe Großindustrieanlagen die in Tourismusregionen den wirtschaftlichen Lebensnerv treffen.

Ihnen ist sicher bekannt: nach einer Untersuchung von 1150 Jahresabschlüssen von 127 Windparks durch den Bundesverband Windenergie ist die wirtschaftliche Lage der meisten Windparks katastrophal:
· bei 37% der Windparks sind die Darlehnstilgungen höher als die erwirtschafteten Mittel;
· mehr als die Hälfte der Windparks hat in 11 Jahren gar nichts oder max. 2 Jahre lang ausgeschüttet;
· bei der Hälfte der Windparks ist das Einlagekapital nach 20 Jahren gefährdet.

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2/3 aller Windparks schreiben rote Zahlen oder schütten nichts aus!
An Windkraft verdienen alle, die ertragsunabhängig kassieren: Hersteller, Projektierer, Bauunternehmer, Versicherungen und Banken.

Als Fazit bleibt, dass Windkraft als Anlageform hochriskant und wenig rentabel ist. Bürgerwindparks nutzen einigen, aber nicht den Kommunen oder uns Bürgern!

(Quellen der dargelegten Fakten: Strombörse Leipzig, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, ifo-institut, BDEW, destatis, BWE, Umweltbundesamt)

Zusammenfassend kann man feststellen:
· der Ausbau der Windkraft in Deutschland löst weder unser Klimaproblem noch können die konventionellen Energieträger durch sie ersetzt werden;
· Windkraft in Deutschland verteuert künstlich den Strompreis, schränkt unsere Wettbewerbsfähigkeit ein und verbaut echten Zukunftstechnologien den Weg;
· Windkraft hat erhebliche Nebenwirkungen. Es gibt nur wenig Profiteure, aber sehr viele Verlierer.

Es wäre sinnvoller, wenn der Energie- und Emissionszwerg Deutschland sein Knowhow in die:
· Reduzierung des Energieverbrauchs
· Entwicklung von effizienten Speichertechnologien
· Entwicklung neuer Energiesysteme

stecken würde, anstatt Unsummen in ein ineffizientes, planwirtschaftliches System zu pumpen, das nebenbei noch die schönsten Landschaften dauerhaft zerstört!

Politiker in anderen Ländern haben die Risiken der Windenergie im Binnenland erkannt. So werden aus Angst vor Gesundheitsschäden zum Schutz der Bürger in Dänemark vor Abschluss weiterer Untersuchungen kaum noch Windindustrieanlagen gebaut (Welt am Sonntag 01.03.2015). In Australien wurden alle Programme aus den gleichen Gründen faktisch gestoppt. Auch für die deutsche Energiewende sollte diese Skepsis Folgen haben.

Deshalb appellieren wir an Sie, Frau Ministerpräsidentin:

Bitte orientieren Sie sich beim Gespräch zur Reform des Erneuerbare Energien Gesetzes an den Fakten. Informieren Sie sich abseits der Lobbyisten zum Thema.

Helfen Sie mit, diesen Unfug zu beenden, noch ist es nicht zu spät.

Sie haben viele Möglichkeiten, sich für den Erhalt unseres noch schönen Landes einzusetzen. Zeigen Sie Größe: zum Wohl von Natur und Umwelt, zum Wohl der Städte, zum Wohl unserer Gäste, zum Wohl der betroffenen Bürger, die hier leben – gegen Ideologie.

Mit freundlichen Grüßen
Willi Schmidt

im Auftrag für:

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